Der Hund im Wolfspelz

Mal Kindskopf...
Mal Kindskopf...
... mal ganz Wolf.
... mal ganz Wolf.

Im Tschechoslowakischen Wolfshund steckt viel Wolf.  Noch vor wenigen Generationen wurden echte Wölfe eingegreuzt. Blasco ist ein solcher Hund im Wolfspelz. Sein Meister Dominik nennt ihn seinen Sohn. Seine Geschichte erzählen wir hier.

Da lacht sich ja selbst ein Wolfshund kaputt.
Da lacht sich ja selbst ein Wolfshund kaputt.
Blasco ein paar Tage alt... noch ganz brav.
Blasco ein paar Tage alt... noch ganz brav.
Guten Morgen... schon ganz alleine geschlafen.
Guten Morgen... schon ganz alleine geschlafen.
So ein Hundeleben ist aber auch anstrengend.
So ein Hundeleben ist aber auch anstrengend.
Und als er grösser wurde, war das sein Lieblingsplatz.
Und als er grösser wurde, war das sein Lieblingsplatz.
Richtig spielt, was ein grosser Hund werden will.
Richtig spielt, was ein grosser Hund werden will.
Sein bester Freund - das kleine Schwein. Papi sagt: Das Spielzeug hat er erstaunlicherweise noch nicht mal zerbissen.
Sein bester Freund - das kleine Schwein. Papi sagt: Das Spielzeug hat er erstaunlicherweise noch nicht mal zerbissen.
Big love... sweet dreams.
Big love... sweet dreams.
Kann passieren... Blasco beim Sabbern.
Kann passieren... Blasco beim Sabbern.
Ne, hab gar nichts gemacht, nur kurz mal die Wohnung auseinandergenommen.
Ne, hab gar nichts gemacht, nur kurz mal die Wohnung auseinandergenommen.
Die Dusche, sein neuer Schlafplatz.
Die Dusche, sein neuer Schlafplatz.
Monster oder Artgenosse???
Monster oder Artgenosse???
Hugs and kisses...
Hugs and kisses...
Ein heftiger Blasco-Kuss.
Ein heftiger Blasco-Kuss.
Aber auch zärtlich kann er küssen.
Aber auch zärtlich kann er küssen.
Am Schmusen mit einem Welpen.
Am Schmusen mit einem Welpen.
Ähhhh... ist ja nur zum Spielen.
Ähhhh... ist ja nur zum Spielen.
Eigentlich verboten... nur nichts sagen.
Eigentlich verboten... nur nichts sagen.
Ein bisschen den Fahrtwind geniessen...
Ein bisschen den Fahrtwind geniessen...
... oder selbst am Steuer.
... oder selbst am Steuer.
Erste Ausstellung in Freudenberg (D) im September 2015 in der Baby-Klasse.
Erste Ausstellung in Freudenberg (D) im September 2015 in der Baby-Klasse.
Blasco macht eine gute Figur im Ring.
Blasco macht eine gute Figur im Ring.
Schon ist er Jugend-Alpensieger.
Schon ist er Jugend-Alpensieger.

Es war nicht Liebe auf den ersten Blick. Auch kein Blinddate. Vielmehr eine systematische Verkupplung, ganz wie es sein soll, wenn man sich einen neuen Hund anschafft. Rückblende Juni 2015: Dominik Cattin besucht die Hundeausstellung in Aarau. Besonders interessiert ihn der Ring mit den Wolfshunden. Die Rasse beeindruckt ihn, seit ihm ein Arbeitskollege vom Wolfshund seiner Tochter erzähl hat. Es war zwar mehr beiläufig. Aber ein Hauch Schicksal wehte trotzdem mit. Der 1991 geborene Dominik war kein Hunde-Novize. In seiner Jugendzeit hatte er einen Schäfer-Collie-Mix. Nach dessen Tod führte er erstmal ein Hunde-freies Leben. Es juckte ihn aber stets. Im Hinterkopf wünschte er sich wieder einen treuen Begleiter auf vier Beinen. Dass es ein Wolfshund sein könnte, hätte er nicht unbedingt vorausgesehen. Er ging die Sache daher seriös an und handelte nach der Devise: Darum prüfe, wer sich ewig bindet.

 

So ging er eben an die Ausstellung nach Aarau, um sich zu informieren. Dort traf er Jeanette Kehrer. Sie ist die Zuchtwartin des Schweizerischen Klubs für Tschechoslowakische Wolfshunde. "20 bis 30 Telefonate haben wir geführt", erinnert sie sich. Und das ist auch gut so. Man muss schon wissen, was man am Ende der Leine mit sich führt. Das gilt beim Wolfshund noch etwas mehr. Immerhin handelt es sich um stattliche Tiere, die gegen 40 Kilogramm auf die Waage bringen. Es sind gewiss keine Kinder von Traurigkeit, auch im Charakter. Sie brauchen Zuwendung, Beschäftigung und eine gute Führung. "Wir wollen, dass unsere Hunde nur in seriöse Hände kommen", sagt Kehrer, die in Schmerikon am Oberen Zürichsee die Zuchtstätte "von Keschla" betreibt. Der Rasseklub steht denn auch allen Besitzern vor und nach der Anschaffung mit Rat und Tat zur Seite.

 

Natürlich stammen alle Hunde vom Wolf ab. Aber bei den meisten Rassen ist das ursprüngliche Wolfsblut im Laufe der langen Domestikationsgeschichte stark verdünnt worden. Blickt man hingegen einem Wolfshund in die Augen, so hat man ein richtiges Tête-à-tête mit der Wildnis. Man hat einen gar nicht so fernen Abkömmling eines Wolfes vor sich, der noch vor ein paar Generationen durch die Wälder streifte. Beim Grenzschutz der damals tief sozialistischen Tschechoslowakei experimentierte man ab 1955 mit dem Kreuzen von deutschen Schäferhunden und Wölfen. Ziel war ein starker Diensthund, der harte klimatische Bedingungen ohne Murren hinnahm, speziell Schnee und Höhenlagen. Ab etwa der fünften Generation konnte man die Mischungen als Diensthunde verwenden. Bis 1983 wurden immer wieder neue Wölfe eingezüchtet. Man stelle sich vor: 1983, das war vor gerade mal vor 33 Jahren, also ein Mini-Zeitraum, wenn man die Domestikationsgeschichte des Hundes als Massstab nimmt, die locker 12'000 Jahre zurückgeht. Trotzdem entstand aus diesen Mix-Versuchen rasch eine neue Hunderasse. 1982 wurde der Klub für Techoslowakische Wolfshunde gegründet. 1999 erfolgte die Anerkennung durch den Welthundeverband FCI.

 

Genau von diesem Charakter der Rasse war Dominik ganz angetan. Nach all den Telefonaten wusste er: Das ist der richtige Hund für mich. Der Zufall half der grossen Liebe auf die Sprünge. Blasco wurde am 15. März 2015 in der Zuchtstätte "von Da Ma Kennel Wolf" geboren, die Gabi und Cosimo Conte gehört. Er war ein kräftiger und munterer Rüde. Er zog schon bald bei seinem neuen Meister ein. Aber es klappte nicht. So suchte er im Frühsommer 2015 ein neues Plätzchen. Der Rasseklub wurde wie oft in solchen Fällen aktiv. Blasco wurde an Dominik vermittelt. Am 18. Juni 2015 zog er bei ihm ein. Die beiden Katzen Angel und Speedy waren etwas skeptisch. Das kann ja nicht dein Ernst sein, fauchten sie Dominik an. Ein Wolf bei uns im Haus? Nach kätzischer Manier fügten sie sich aber mit etwas Brimborium bestens in ihr Schicksal. Blasco ist mittlerweile auch ihr Freund. Vor allem aber ist er der ganz grosse Freund von Cattin. Besser gesagt: "Er ist wie mein Sohn." Die Freizeitgestaltung ist ganz auf ihn ausgerichtet. Er begleitet ihn bei Tag - und schläft auf dem Bett bei Nacht. Es ist ein Lebensabenteuer für den Hund genauso wie für den Meister.