Jack der Kampfschmuser

In Ihrer Abschlussarbeit beschäftigt sich Ana Margarida Quintas Gomes mit dem Thema Listenhunde. Zusammen mit ihrem Freund besitzt sie Jack, einen richtigen Kampfschmuser.

Ana Margarida Quintas Gomes stammt ursprünglich aus Portugal. Seit 2001 lebt sie in der Schweiz in Siebnen. Im Juli 2018 wird sie ihre Lehre als Köchin abschliessen. Natürlich muss ein Koch das Essen lieben. Aber Ana Margerida pflegt noch eine andere grosse Liebe. Diese Liebe hat vier Beine und heisst Jack, ein echter Brocken von Hund, der allerdings gegen einige Vorurteile zu kämpfen hat. Da kann er noch so niedlich dreinschauen. Viele denken einfach, er und seinesgleichen seien Bestien. Denn Jack ist ein Pitbull, wie man gemeinhin sagen würde. Fachleute nennen ihn einen American Pitbull Blueline Terrier.

 

Als Ana Margaridas ein Thema für ihre Abschlussarbeit finden musste, brauchte sie nicht lange zu studieren. Das Thema lag sozusagen neben ihr im Hundekörbchen: Kampfhunde, ihre öffentliche Wahrnehmung, die Vorurteile, die Gesetzesflut, aber auch die wunderschönen Seiten, die man als Besitzerin eines solchen Hundes geniessen darf. Also machte sie sich an eine fundierte Recherche und reichte die Arbeit ein. Das Ergebnis fand besten Anklang. Ihre Arbeit wurde mit einer ausgezeichneten 5,5 benotet.

 

Ana Margarida weiss ganz genau, dass Kampfhunde immer wieder kämpfen müssen... natürlich nicht mit den blanken Zähnen. Aber kämpfen müssen sie gegen eine Flut realitätsferner Vorurteile. Aufklärung tut Not. Um einen Beitrag zu leisten, hat sie sich entschlossen, ihre Abschlussarbeit auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

Dein Partner, du und Jack sind eine richtige kleine Familie...

 

... das kann man so sagen.

 

Wie kam es dazu?

 

Mein Freund Davide wollte unbedingt einen Blueliner. So begann er, im Internet zu suchen. Er ist auf ein Inserat eines Züchters in der Slowakei gestossen. Wir waren natürlich nicht naiv. Im Gegenteil. Seit langem haben wir uns intensiv mit der Rasse auseinandergesetzt. Auch die Zuchtstätte haben wir zunächst aus der Ferne kritisch geprüft. Wir wollten alles wissen. Als wir von der Seriosität des Züchters überzeugt waren, sind wir hingefahren. Auch vor Ort präsentierte sich alles vertrauenswürdig. So haben wir also unseren kleinen Jack ins Auto genommen und sind nach Hause gefahren. Er war damals süsse acht Wochen und fünf Tage alt. In der Schweiz haben wir alle Formalitäten erledigt - und zwar pingelig genau. Wir wussten, dass die Rasse nicht unumstritten war. Wir wollten uns deshalb vorbildlich verhalten.

 

War das Ganze nicht nervenaufreibend?

 

Nein, nicht besonders. Denn wir waren gut vorbereitet und hatten ja nichts zu verbergen. Jack ist ein guter Hund, wir sind gute Besitzer, alle Papiere stimmen.

 

Bist du schon mit Hunden aufgewachsen?

 

Ich stamme aus Portugal und habe dort meine Kindheit verbracht. In unserer Familie gab es Rottweiler und andere Hunde. In Portugal sieht man vieles anders. So genannte "Beschützer-Hunde" erhalten eine "Todesbewilligung"... zumindest nennt man es umgangssprachlich so. Mit Beschützer-Hund ist ein Wachhund gemeint, der das Haus verteidigt. Wenn dann ein Einbrecher kommt und vom Hund angegriffen wird, dann sieht man das in der Regel so, dass der Hund ja nur seine Pflicht getan hat. Bei uns hingegen wird sogleich ein Skandal aus jedem Vorfall gemacht, ohne die Situation zu berücksichtigen, in der ein Beissunfall passiert.

 

Und mit solchen Beschützer-Hunden bist du aufgewachsen?

 

Richtig. Mein Grossvater hatte fünf solcher Hunde. Wie man sieht, lebe ich noch immer. Natürlich laufen auch in Portugal nicht massenweise wild beissende Bestien umher. Aber man sieht einfach, dass der Umgang der Menschen mit Risiken ein anderer ist. Bei uns will man jegliches Risiko ausschalten und vergisst dabei, dass das einen hohen Preis hat... nämlich dass alles mit penetranten Vorschriften verbürokratisiert ist. Es geht irgendwie zulasten der Leichtigkeit im Leben.

 

Zurück zu Jack: Wie hat euer Umfeld reagiert, als ihr ihn nach Haus gebracht hat?

 

Am Anfang war er noch ein Welpe. Da spielte wohl der Jö-Effekt und die Leute waren nicht besonders ängstlich. Doch mit der Zeit wurde er immer grösser. Parallel dazu wuchsen auch die Vorbehalte der Leute.

 

Aber fürchteten sich die Leute wirklich vor dem realen Jack aus Fleisch und Blut oder reflektierten sie eher die Vorurteile, wie sie im Hinblick auf diese Rasse weit verbreitet sind?

 

Das ist genau der Punkt. Jene Leute, die uns näher kennen und auch mit Jack direkt Bekanntschaft machten, legten ihre Ängste rasch ab. Das beste Beispiel ist meine Grossmutter. Sie litt unter Todesangst vor Hunden. Heute aber streichelt sie Jack. Manchmal sagt sie zu ihm: "Sitz!" Und Jack gehorcht als braver Hund natürlich. Diese Entwicklung finde ich toll.

 

Heisst das, dass ihr die Vorurteile im näheren Umfeld abbauen konntet?

 

Durchaus. Früher hatten wir ab und zu negative Reaktionen. Heute eigentlich nicht mehr. Das hängt wahrscheinlich genau damit zusammen, dass man mittlerweile weiss, dass Jack zu uns gehört und dass er ein netter Kerl ist.

 

Wie sieht es mit den Reaktionen wildfremder Menschen aus, die euch zufällig begegnen, wenn ihr euch im öffentliche Raum bewegt?

 

Die Strassenseite wird gewechselt. Manchmal treffen uns etwas aufgeschreckte Blicke. Das Normale halt. Jack lässt sich aber nicht ablenken... und wir natürlich auch nicht. Zwischendurch gibt es aber auch richtige Jöeffekte oder Mitleidseffekte. Die Leute solidarisieren sich mit uns, weil sie wissen, dass wir es schon schwer genug haben. Lustig ist auch dies: Jeweils am Morgen geht mein Grossvater Gassi. Da kommt also ein 85-jähriger Mann mit einem 32 Kilogramm schweren Hund daher. Das gibt bestimmt ein ganz sympathischer und spezieller Eindruck ab. Wie man halt so sagt: Es kommt ganz darauf an, wer am Ende der Leine hängt.

 

Wie kooperativ schätzt ihr die Behörden ein?

 

Wir hatten bisher wirklich keine Probleme. Im Gegenteil. Polizisten, denen wir einst begegnet sind, haben an Jack den Bären gefressen. Sie fanden ihn richtig süss. Am lustigsten war aber eine Szene mit der Bahnpolizei. Die haben ihn spontan auf den Schoss genommen und davon einige sehr herzige Bilder geschossen.

In den Armen von Papi fühle ich mich am wohlsten.
In den Armen von Papi fühle ich mich am wohlsten.
Aber auch mit Mami schmuse ich gerne.
Aber auch mit Mami schmuse ich gerne.
Hier war ich noch ganz klein.
Hier war ich noch ganz klein.
Und hier bin ich schon ein richtiger Brocken... aber Papi trägt mich noch immer gerne herum.
Und hier bin ich schon ein richtiger Brocken... aber Papi trägt mich noch immer gerne herum.
Ähhh... ich glaube, hier darf man nicht.
Ähhh... ich glaube, hier darf man nicht.
Draussen spielen ist am schönsten.
Draussen spielen ist am schönsten.
Aber auch auf dem Balkon sehe ich immer etwas Spannendes.
Aber auch auf dem Balkon sehe ich immer etwas Spannendes.
Können diese Augen lügen?
Können diese Augen lügen?


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PDF Abschlussarbeit von Ana Margarida Quintas Gomes
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