Kletternde Hunde

Kaum zu glauben, aber wahr. Berichte aus der Zeit um 1910 zeigen, dass auch Hunde klettern können, wenn man sie lässt und wenn man sie fördert.

Vorstehhund Graf Roland, der Jägerkönig im Jahre 1900.
Vorstehhund Graf Roland, der Jägerkönig im Jahre 1900.

Katzen können klettern. Bären können klettern. Wir Menschen als Abkömmlinge des Affen können es sowieso. Aber Hunde?

 

Doch, doch, auch Hunde können klettern. Bestimmt braucht es Training. Jeder Hundebesitzer weiss, wie rasch sein Schützling Höhenangst entwickelt. Gewisse Hunde verweigern sofort jeden weiteren Schritt auf Treppen, die zwischen den Stufen den Blick in die Tiefe frei geben. Andere beginnen zu zittern, wenn man sie über eine hohe Brücke mit Blick in die Tiefe führt. Anders gesagt: Das ganze Naturell des Hundes ist so beschaffen, dass er sich am wohlsten fühlt, wenn er mit allen vier Pfoten sicher auf festem Untergrund steht. 

 

Graf Roland war ein richtiger Meister. Er konnte senkrecht einen Baum hochklettern.
Graf Roland war ein richtiger Meister. Er konnte senkrecht einen Baum hochklettern.

Aber: Hunde haben einen starken Willen und sind bekannt dafür, dass sie fast alles schaffen, wenn man sie fördert. In diesem Geiste also tranierte man um 1910 herum allerlei Jagdhunde in der hohen Kunst des Kletterns.

 

Dabei schafften es einige besonders begabte Exemplare zu ordentlicher Bekanntheit, so etwa ein Hund namens Graf Roland, der Jägerkönig. Es war ein stichelhaariger Vorstehhund im Besitze eines gewissen Fritz Richter aus Kitzingen am Main.

 

Bekannt war ferner ein Airedale Terrier namens Greif de Grammont. Geworfen wurde er am 29. Dezember 1910. Sein Besitzer war ein gewisser C. Michaud aus Zürich. Dieser trainierte ihn, Apportiergegenstände auf Bäumen zu holen.

Greif war nicht nur ein guter Kletterer, sondern auch ein entschlossener Schutzhund.
Greif war nicht nur ein guter Kletterer, sondern auch ein entschlossener Schutzhund.

Im Centralblatt Nr. 24 vom 14. Juni 1912 wurden Greifs herausragende Fähigkeiten erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Er konnte auf 3.5 Meter Höhe in einer Baumkrone nach einem Apportiergegenstand greifen.

 

Im April 1913 wurde nochmals über Greif berichtet.  Wie es hiess: "Er ist bis jetzt der erste Airedale, welcher eine solche Höhe erreicht hat."

 

Nicht nur im Klettern zeigte der Hund viel Biss, sondern in allen Disziplinen des Diensthundewesens. Greif bewache Gegenstände und beschütze seinen Herrn aufs Äusserste, las man weiter.

Greif war nicht nur ein guter Kletterer, sondern auch ein entschlossener Schutzhund.
Greif war nicht nur ein guter Kletterer, sondern auch ein entschlossener Schutzhund.

Wenn sein Meister genügend Zeit gehabt hätte, so hätte er ihn gründlich dressieren können. Greif hätte an der Polizeihundeprüfung in Basel bestimmt gute Resultate erzielen können, wie es hiess, woran man kaum zweifelt. Denn: "Greif hat viel Temperament und ist wie viele Airedale-Terrier sehr intelligent und kräftig."

 

Greif hängt senkrecht am Baumstamm auf bis zu 3.5 Meter Höhe.
Greif hängt senkrecht am Baumstamm auf bis zu 3.5 Meter Höhe.