Schön und spitzbübisch

Franziska Walther verguckte sich vor 12 Jahren in das Windspiel. Sie liebt ihre humorvolle Art und erzählt uns, wieso die Rasse einem formvollendeten Sportwagen gleicht - aber nie ein Mainstream-Hund werden wird. Die Bilder stammen von der Fotodesignerin Sigrun Janiel, für die sie mit ihren drei Hunden Étoile, Ciel und Soleil posierte.

Wann hast du zum ersten Mal ein Italienisches Windspiel gesehen?

 

In Natura? Das weiss ich noch sehr genau! Es war im Mai 2005 bei der Züchterin Barbara Elsener. Es war Liebe auf den ersten Blick! Ich war 34 und musste in dieser Zeit über die Bücher, was mein Leben anbelangte. Es wuchs der Wunsch nach einem Hund in mir. Ich kaufte ein Rassebuch. Das Windspiel gefiel mir am besten - gerade auch als Ersthund, denn ich besass zuvor noch nie einen eigenen Hund. Nur als Kind gab es im Quartier einen Whippet, mit dem ich manchmal spazieren ging. Wer weiss, vielleicht hat diese Begegnung meine spätere Vorliebe für das Windspiel vorgespurt.

 

Und dann hast du ein Italienisches Windspiel gekauft?

 

Ja. Aber nicht einfach so. Ich habe mich intensiv mit den Bedürfnissen eines solchen Hundes auseinandergesetzt. Zuerst rief ich auf das Sekretariat der SKG an. Dort gab man mir dann eben den Kontakt zu Barbara Elsener. Ich rief sie an... und wir telefonierten sogleich zwei Stunden. Im Anschluss vereinbarten wir einen Termin. Jetzt muss man eines wissen: Barbara Elsener hatte zu diesem Zeitpunkt keine Welpen abzugeben. Sie besass zwar alle Papiere für ihre eigene Zuchtstätte unter dem Namen Anam Cara's Windspiele. Aber ihr erster Wurf war erst in Planung. Als es ans Decken ging, fuhr ich zusammen mit ihr und der Hündin zum Rüden nach Deutschland. Es klappte. Die Hündin wurde trächtig. Und aus diesem ersten Wurf übernahm ich einen Welpen. Das war Étoile. Ich war also dabei, als er gezeugt wurde.

 

Was denkst du, muss man ein besonderer Mensch sein, um sich in ein Italienisches Windspiel zu verlieben?

 

Es ist doch wie bei uns Menschen. Seien wir realistisch. Wenn wir uns in jemanden verlieben, so läuft es am Anfang über das Aussehen. Klar, nicht jedem gefällt ein Hund so dünn wie das Windspiel. Aber mich traf der Pfeil des Amors unmittelbar mitten ins Herz. Später kamen noch andere Aspekte dazu. Ein Hund sollte wie ein Partner zum Lebensstil passen. Die Windspiele suchen beispielsweise intensiv den Körperkontakt. Sie sind quirlig. Sie wollen beschäftigt werden. Man muss sich kritisch fragen: Passt das alles zu mir? Zu mir passt es ganz genau.

 

Welche Voraussetzungen sollte ein Besitzer mitbringen?

 

Zeit. Liebe. Ausdauer. Es ist zwar ein kleiner Hund. Ich warne aber vor Illusionen. Viele Interessenten glauben, ein kleiner Hund sei pflegeleichter. Dem ist aber nicht so. Das Italienische Windspiel ist ein vollwertiger Hund mit all den Bedürfnissen, wie sie auch ein grösserer Hund hat.

 

In gewisser Hinsicht sind sie aber schon pflegeleicht. Klein. Glattes Fell. Gar nicht aggressiv.

 

Jein. Die Fellpflege ist tatsächlich einfach. Aber ihren sportlichen Ehrgeiz sollte man nicht unterschätzen. Mitunter kann ein Windspiel sogar ordentlich an der Leine ziehen. Kurzum: Ein Windspiel ist wie jeder andere Hund ein Individuum mit Ecken und Kanten.

 

Wie würdest du den Charakter des Italienischen Windspiels beschreiben?

 

Sehr menschenbezogen. Lieb im Sinne, dass sie nichts Hinterlistiges an sich haben. Sie sind spitzbübisch, nicht aber schlitzohrig. Auch selbstbewusst sind sie, zuweilen überschätzen sie sich sogar. Klug. Empathisch sowieso. Ganz typisch: Sie wollen ihrem Meister gefallen. Sie lieben es, uns Menschen zu amüsieren. Sie bringen uns gerne zum Lachen. Sie sind immer gut gelaunt und voller Lebensfreude. Als Besitzer hat man das Gefühl, von ihnen verstanden und angenommen zu werden. Es mag eigenartig klingen, aber es gibt kein Wesen, das mich so gut kennt wie mein Étoile.

 

Du hast gesagt, die Italienischen Windspiele verstehen es, uns Menschen zu unterhalten. Erzähle uns bitte ein paar lustige Episoden.

 

Da könnte ich ein Buch schreiben. Étoile kann beispielsweise richtiggehend singen. Und das geht so: Er sitzt neben mir und ich schwatze mit ihm. Dann beginnt er zu japsen. Ich "antworte"und animiere ihn so weiter, bis er eben regelrecht singt. Ach ja: Étoile überraschte mich einst auf einem Spaziergang auf dem Gurten bei Bern, indem er durch das hohe Gras hüpfte wie losgelöst von der Schwerkraft. Mal tauchte er unter. Dann sprang er plötzlich wieder hoch und guckte mich an, als ob er die ganze Show speziell für mich inszenieren würde. Er sah aus wie eine Gazelle. Diese Art im hohen Gras herumzuhüpfen hat er offenbar an seine Söhne Ciel und Soleil weitervererbt, die können das nämlich auch und führen es nur allzu gerne vor. Ich lache jeweils Tränen!

 

Die Italienischen Windspiele sind quirlig. Ärgert man sich da manchmal?

 

Das Quirlige ist ja genau das, was Liebhaber unter anderem so fasziniert. Das wollte ich genau damit sagen am Anfang: Man muss sich gut informieren und wissen, ob die Persönlichkeit des Windspiels zur eigenen Persönlichkeit passt.

 

In jedem Windhund steckt ein Sichtjäger.  Sehen sie etwas Spannendes... schon sind sie weg?

 

Prinzipiell ja. In dem Augenblick, in dem sie das Objekt ihrer Jagdbegierde erblicken, ist ihr Hetztrieb stärker als die Bindung an mich. Dies ist purer Instinkt. Aber es ist auch in dieser Hinsicht nicht jeder Hund gleich. Es gibt individuelle Ausprägungen. In meinem Trio ist beispielsweise Ciel der leidenschaftlichste Jäger.

 

Kann man die Italienischen Windspiele überall hin mitnehmen? Sind sie schreckhaft?

 

Das ist kein Problem. Einst nahm ich Étoile an eine Geburtstagsfeier mit. Das ging bestens. Aber auch meine beiden anderen Jungs reagieren nicht übermässig schreckhaft, solange sie bei ihrer Bezugsperson sind.

 

Wie verhalten sie sich bei Gewittern, Feuerwerken und dergleichen?

 

Étoile und Soleil mögen das Geknalle gar nicht. Sie suchen dann intensiv meine Nähe oder verkriechen sich - vorzugsweise unter eine Decke. Ciel hingegen ist sozusagen schussfest.

 

Frieren sie rasch?

 

Sie haben ein dünnes Fell, keine Unterwolle und im Idealfall nur wenig Fett. Insofern sind sie ganz bestimmt keine Hunde für eine Polarexpedition. Aber sie halten einiges aus. Bei kalter Witterung gibt es nur eines: Bewegung. Mäntelchen und dergleichen mögen meine Windspiele gar nicht. Sie hassen es geradezu eingepackt zu werden. Es stresst sie regelrecht, was sich in vorübergehend schuppigem Fell äussert.

 

Italienische Windspiele zittern manchmal. Wieso eigentlich?

 

Einerseits zittern sie tatsächlich, wenn sie frieren. Muskelzittern erzeugt Wärme. Es kann aber auch Ausdruck von Aufregung oder Freude sein. Es ist auf jeden Fall sehr rassetypisch und keinesfalls krankhaft.

 

Die Italienischen Windspiele sind fein und zierlich... eigentlich prädestiniert zum Tussie-Hündchen. Dennoch nehmen sich die Tussies lieber einen dicken Mops oder eine französische Bulldogge. Wieso ist das Windspiel kein Mode-Hündchen geworden?

 

Mops, französsische Bulldogge, Cihuahua und Co. entsprechen stark dem Kindchenschema. Weil diese Rassen etwas plump erscheinen, meinen ausserdem viele irrigerweise, dass ihr Bewegungsbedarf nicht gross sei.

 

Das Italienische Windspiel trifft weniger den Mainstream-Geschmack?

 

Lass es mich so ausdrücken: Eine französische Bulldogge ist wie ein schwerer Geländewagen. Ein Windspiel ist wie ein formvollendeter Sportwagen.



 

Vielen Dank an Sigrun Janiel für die schönen Bilder. Weitere Infos über die Diplom Fotodesignerin mit weiteren Bildern findet man auf ihren Internetseiten. Einfach ins Bild links klicken...