Zirkushund Kürass

Auf dem Höhepunkt des 2. Weltkrieges zauberte ein Duo auf insgesamt acht Beinen etwas Fröhlichkeit in den Alltag. Der Schäferhund Kürass weilte beim Zirkus Knie. Der Elefant Baby war im wahrsten Sinne des Wortes sein dickster Freund, mit dem er gerne balgte.

Kürass kam am 7.7.1939 zur Welt. Er stammte aus der Zuchstätte von der Warthauhöhe bei Schaffhausen.
Kürass kam am 7.7.1939 zur Welt. Er stammte aus der Zuchstätte von der Warthauhöhe bei Schaffhausen.

Die Truppen Nazi-Deutschland waren überall im Vormarsch. Die Welt zeigte sich eingehüllt in das finstere Gewand des Krieges. Man schrieb das Jahr 1942. In dieser schweren Zeit berichtete der Schweizer Hunde-Sport, das offizielle Organ der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft, erstmals von einer köstlichen Geschichte. Es ging um ein überaus ungleiches Paar bestehend aus dem Hund Kürass und dem Elefanten Baby, notebene einem Star, der Trotz seines stattlichen Gewichtes von 2000 Kilo seiltanzen konnte. Die Vorgeschichte  ging so: Der Verschlag von Kürass befand sich im Stall der Elefanten im Winterlager. Fünf Dickhäuter waren dort untergebracht. Kürass war direkt neben Baby platziert. Doch diesem war das eher gemächliche Leben ausserhalb der Saison zu eintönig. Alles betastete er mit seinem Rüssel, nichts entging seinem Blick. An jenem Tag machte er so richtig Krach. Kürass wachte aus seinem Schlummer aus, schaute aus seiner Hundehütte, was Baby ermunterte, den Krach noch weiter zu steigern... bis es Kürass zu bunt wurde und er entnervt am Elefanten hochsprang.

 

Kürass war im Elefantenstall im Winterquartier untergebracht. Gerne balgte er mit den Kolossen, besonders mit Baby.
Kürass war im Elefantenstall im Winterquartier untergebracht. Gerne balgte er mit den Kolossen, besonders mit Baby.

Eine richtige Balgerei entspann sich zwischen den beiden. Kürass versuchte, seine Zähne im Rüssel festzuhacken - nur spielerisch, wie es im Bericht hiess. Aber Elefantenhaut war selbst für die scharfen Zähne des Schäferhundes zu dick. Baby ging zum Gegenangriff über. Wie in der Zeitschrift weiter zu lesen stand: „Mit leichtem Rüsselschlag versucht er, Kürass eins auszuwischen, so dass sich der Hund einige Male überpurzelt. Dies scheint Baby besonders Vergnügen zu machen, und man meint in seinen Äuglein ein schelmisches Lachen zu sehen.“ Das Spiel ging noch eine Weile. Dann sah Kürass die Aussichtslosigkeit ein. Er verzog sich wieder in seine Hütte. Baby nahm das als Einladung, weiter Krach zu machen. Nicht lange ging es, da kam Kürass wieder aus seiner Klause. Dieses Mal jedoch gab er sich ganz demütig. Mit eingeklemmtem Schwanz legte er sich dicht zu den Füssen von Baby. So ist’s brav... schien dieser zu sagen. Auch geizte er nicht mit anerkennendem Streicheleinheiten. Mit seinem Rüssel fuhr er liebevoll über den Schäferhund, bis in einen gesunden Schlummer versank.

 

Im Jahre 1944 erschien die Geschichte ein zweites Mal im Schweizer-Hundesport. Da man sich der Sache etwas tiefer widmete wollte, liess die Zeitschrift in der folgenden Nr. 24 vom 25. November 1944 gleich noch einen dritten Beitrag folgen. Kürass schaffte es dabei sogar auf die Titelseite. Das war kein Zufall. Denn der Schäferhund stammte es gutem Hause. Wie die Recherchen des Schweizer-Hunde-Sportes ergaben, kam Kürass am 7. Juli 1939 zur Welt. Seine Zuchtstätte wurde unter dem Namen „von der Warthauhöhe“ geführt und gehörte einem Herrn A. Vögtle aus Buchthalen (Schaffhausen).

 

Wann der Hund in den Zirkus eingetreten war, konnte zwar nicht eruiert werden. Auch sei nicht klar, ob er schon einmal an einem kynologischen Wettbewerb teilgenommen habe. Aber das spiele auch keine grosse Rolle, meinte die Zeitschrift. Sein Wirkungsfeld sei ein anderes, namentlich arbeite er mit den Pferden und den Elefanten. Der Hund verbrachte viel Zeit im Elefantenstall und spielte unerschrocken mit den Kolossen. Wie im O-Ton zu lesen war: „Das Spiel zwischen den beiden ungleichen Partnern ist meistens eine lustige Balgerei, indem die Elefanten versuchen, mit sanften Rüsselschlägen den Hund Purzelbäume schlagen zu machen.“ Die Raufbolde amüsierten sich gut, wurde weiter berichtet, was man daran sehe, dass Kürass laut belle und die Elefanten fröhlich trompeten.“